EUROPA MATINEE

Dies ist das Anfangsstatement, welches Regisseur Fabian Eder anläßlich der Europa Matinee im Haus der Europäischen Union am 9. Mai 2016 bei der Diskussion mit Kommissar Johannes Hahn, Sonja Puntscher-Riekmann, Universität Salzburg, Hannes Swoboda, ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments und Präsident der Progressiven Allianz der Sozialdemokraten, und NAbg. Rainer Hable, Europasprecher der NEOS, abgegeben hat.

Ein Abbruch der Europäischen Union wäre ein Schritt zurück ins Mittelalter. Aber niemand, auch die EU nicht, ist vor den großen gesellschaftlichen Umbrüchen geschützt. In den nächsten Jahren wird kein Stein auf dem anderen bleiben – in der Arbeitswelt, gesellschaftlich, in der Wirtschaft, am Finanzmarkt, der Kunst – wir stehen bereits mitten im Sturm atemberaubender Veränderungen.

Ich bin ein glühender Europäer und überzeugt, dass nur die Europäische Union den bevorstehenden Prozess für uns so gestalten kann, dass er – zumindest weitgehend – in Frieden abläuft.

Was Europa dringend braucht, sind Politiker, die visionäres Denken nicht nur selbst denken können, sondern dieses auch fördern und fordern. Die Frage ist nicht, wie sieht unsere Gesellschaft in fünf oder zehn Jahren aus? Die Frage lautet, wie wollen wir, dass unsere Gesellschaft in 5 oder 10 Jahren aussieht?

Heute ernten wir die Früchte der Visionslosigkeit.

Das Chaos um die Flüchtlingskrise hat sich lange, langsam und absehbar entwickelt. Und auch wenn es im Moment aus den Schlagzeilen verdrängt wurde, es ist da, die Toten sind da, und sie sind weiterhin da.

Und dort beginnt meine Kritik als glühender Europäer, weil dort meine Verantwortung beginnt.

Was wir erlebt haben, erleben, ist die Entwicklung von rund zwei Jahrzehnten falsch laufender Politik. Niemand hat das bisher korrigiert, es gab immer »more of the same« anstatt eines »change of course«

Um es kurz zu machen und mit allem gebührenden Respekt:

Kommissionspräsident Juncker und vor allem Kommissar Avramopoulos haben dieses Problem sträflich verschlafen – und das muss man deutlich ansprechen und kritisieren.

In Junckers Statements zu seinem Amtsantritt im November 2014 kommt das Wort »Flüchtling« kein einziges Mal vor. Zu einem Zeitpunkt, als der syrische Bürgerkrieg bereits vier Jahre andauerte und die Lager in den Nachbarstaaten heillos überfüllt waren. Kommissar Avramopoulos hat die Bezeichnung »Flüchtling« in einer Presseaussendung das erste Mal im August 2015 verwendet.

Die Grenzschutzagentur Frontex hat Anfang 2015 wohl wissentlich Falschinformationen über den Zustand von Frachtern und die Herkunft der Menschen an Bord verbreitet.

Nicht einmal mit unseren Worten nehmen wir uns die Zeit, zwischen Flüchtlingen und Migranten zu unterscheiden, dabei wissen wir, dass dies die Grundvoraussetzung einer Lösung ist.

Das sind die Treibsätze, die das Gerüst des gemeinsamen Europas zum Einstürzen bringen können.

Dass wir, die Menschen der Europäischen Union, weitgehend widerspruchslos bereit sind 6 Mrd. Euro an ein Land zu überweisen, das weiß Gott nicht nur am Sektor der Menschenrechte höchst fragwürdige Praktiken an den Tag legt, und dessen Herrscher vorsichtig formuliert am Rande einer Diktatur agiert, weil wir selbst nicht in der Lage sein wollen, unsere Werte auf unserem Boden zu definieren und umzusetzen. Europa endet nicht an den Schengen Aussengrenzen, unsere Verantwortung tut es auch nicht. Mit dieser jetzigen Haltung in der  Politik sowohl des Rates, als auch des Parlamentes und der Kommission werden wir in Nordafrika, zu erst in Libyen grauenhaft scheitern – das ist der Treibsatz der dieses Gerüst »Europa« einstürzen lässt.

Heute sind es die Menschenrechte, die Landauf, landab – auch in Österreich – immer weiter unterwandert werden, morgen ist es die Demokratie. Denn diese beiden Dinge hängen untrennbar zusammen. Und Demokratie endet bekanntlich nicht beim Finden einer Mehrheit durch Wahlen. Das ist das Thema unserer Gesellschaft heute und morgen und übermorgen.

Wenn wir Europa abbrechen wollen, machen wir weiter wie bisher. Zuerst werden wir zur Freihandelszone degradiert, welche sich nicht lange halten wird. Die Folge sind eine noch größere Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Nationalismus und zuletzt Krieg.

Wenn wir nach Europa aufbrechen wollen, brauchen wir eine ehrliche, schlüßige, lebendige und visionäre Politik. Wir brauchen Leuchttürme in dieser Nacht, die uns den Weg weisen. Wir brauchen eine freie Kunst, die Visionen und Modelle entwirft, die in der Lage ist ein Narrativ zu entwickeln, mit dem wir in die Zukunft reisen können.

Und wir brauchen Mut.

Themenschwerpunkt „Flucht“ auf ARD Alpha

Im Februar sehen sie unsere Filme KEINE INSEL und WOHIN UND NICHT ZURÜCK im Rahmen eines Themenschwerpunkts auf ARD Alpha.

Themenschwerpunkt „Flucht“

Herausforderung Migration und Integration

Mehr als 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, die meisten streben aktuell nach Europa. Im Zentrum des Themenschwerpunkts „Flucht“ auf ARD-alpha stehen zwei Dokumentarfilme, die der Autor Fabian Eder mit der Schauspielerin Katharina Stemberger produziert hat. Darin zeigt er, wie die Bürger auf Malta, Lampedusa und Sizilien mit den Flüchtlingsströmen am Mittelmeer umgehen und wie das von österreichischen Künstlern mitbegründete „Integrationshaus“ in Wien Integration im Alltag betreibt. Nach diesem Vorbild plant die Initiative „Bellevue di Monaco“ ein ähnliches Projekt in München.

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Freitag, 12. Februar 2016, 21.00 Uhr

Keine Insel

Dokumentarfilm von Fabian Eder (Österreich, 2014)
Am 3. Oktober 2013 ertrinken 366 Flüchtlinge wenige Meter vor der Küste der
EU, und bis heute erreichen immer wieder überfüllte Flüchtlingsboote die Gewässer um Malta, Lampedusa und Sizilien. Im Dezember 2013 macht sich der Filmemacher Fabian Eder mit einem kleinen Team per Boot auf den Weg ins winterlich aufgewühlte Mittelmeer. Sein feuilletonistisch angelegter Dokumentarfilm widmet sich den Einheimischen auf den Mittelmeerinseln, die täglich mit den Ankömmlingen und ihren Schicksalen konfrontiert sind und bei denen sich die Probleme der europäischen Flüchtlingspolitik direkt auswirken. Lichtblicke entdeckt der Filmemacher auf seiner Reise ausgerechnet dort, wo man eigentlich die größte Verunsicherung vermuten würde: Am Beispiel ihrer kleinen Insel Lampedusa erklärt die Bürgermeisterin Giusi Nicolini ausführlich Chancen und Möglichkeiten aktiv gestalteter Migrationspolitik.

Freitag, 12. Februar 2016, 21.50 Uhr
Welt in Bewegung: Festung Europa
Dokumentation von Ulrich Langguth (Deutschland, 2015)
2015 kamen laut Schätzungen zwischen 1,1 und 1,3 Millionen Flüchtlinge allein nach Deutschland, was Bevölkerung, Behörden und Politik vor größte Herausforderungen stellt. Forderungen nach mehr Kontrollen und Grenzsicherungen wie etwa in Ungarn und Slowenien werden täglich lauter. Ist eine „Festung Europa“ denkbar und sinnvoll? Können Zäune das Flüchtlingsproblem lösen? Der 30-minütige Dokumentarfilm analysiert Ursachen, Probleme und Chancen von Zuwanderung, sucht nach Lösungen und geht der Frage nach, wieso Europa trotz vielfacher Warnungen nicht besser auf die Krise vorbereitet war. Zu Wort kommen unter anderen der Migrationsforscher und Politikberater Klaus Bade und der Ökonom und Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker.

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Freitag, 19. Februar 2016, 21.00 Uhr

Wohin und nicht zurück

Dokumentarfilm von Fabian Eder (Österreich, 2015)
Mit Willi Resetarits, Elisabeth Orth, Alfred Dorfer, Peter Resetarits, Julya Rabinowich u.a.
Während die Staats- und Regierungschefs nach Lösungen für die Flüchtlingskrise suchen, ist der Bevölkerung weitgehend klar: Die Menschen, die nach Europa kommen, werden bleiben. Das „Integrationshaus“ in Wien besteht seit 20 Jahren und zeigt beispielhaft, wie aktiv gestaltete Integrationsarbeit funktionieren kann. Willi Resetarits, Sänger, Mitbegründer und Aushängeschild, spricht in dem 50-minütigen Dokumentarfilm unter anderem über 20 Jahre Integrationserfahrung, Ängste in der Bevölkerung und die Rolle Europas. Außerdem zeigt die Doku anhand von Mitarbeitern, Hausbewohnern und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen: Integration ist zu schaffen – wenn wir wollen.

Freitag, 19. Februar 2016, 21.50 Uhr
Welt in Bewegung: Sans Papiers – heimatlos und illegal
Dokumentation von Lorenz Kloska (Deutschland, 2015)
Die Problematik von staatsrechtlicher Illegalität ist angesichts des Flüchtlingsstroms nach Deutschland aktueller denn je. Der Film beleuchtet die Situation bei der Registrierung der Schutzsuchenden und geht der Frage nach, wie Illegalität entsteht und wozu sie führt. Historiker Dr. Michael Schubert von der Universität Paderborn nennt Beispiele aus der langen Geschichte der Illegalisierung in Europa und verweist auf den Nutzen, den der Staat aus der Illegalität bestimmter Gruppen ziehen kann. Klaus Bade, Politikberater und Migrationsforscher, schildert Migrationsursachen, die eng mit dem ökonomischen Handeln Europas in den Herkunftsländern verknüpft sind. Steven Vertovec, Leiter des Max Planck Instituts für multiethnische und multikulturelle Gesellschaften, differenziert unser Bild vom Islam und prognostiziert, dass die Zahl der Menschen, die sich illegal bei uns aufhält, noch wächst. Birgit Poppert vom Bayerischen Flüchtlingsrat veranschaulicht, was Leben in der Illegalität bedeutet.

Na das wird was…

Katharina Stemberger & Fabian Eder zu Gast bei den GEBRÜDER MOPED. Na, das wird was.

Parole!

Ein Politischer Aschermittwoch im Kabarett

Gebrüder Moped

Die Gebrüder Moped laden zu “Parole! ein politischer Aschermittwoch im Kabarett”
mit Gastbeiträge von:

  • Fabian Eder
  • Eva Glawischnig
  • Sibylle Hamann
  • Florian Klenk
  • Susanne Scholl
  • Katharina Stemberger
  • Matthias Strolz
  • Mirjam Unger

sowie
Fleischhacker & Tartarotti

PAROLE! Endlich in Wien angekommen: der politische Aschermittwoch im Kabarett. Die Gebrüder Moped bitten heuer zum zweiten Mal zur Koalitionsverhandlung neuen Stils. Ein Kabarettabend, der vor der Wahl verspricht, was sich bis zur Wahl nicht ausgehen wird. Auf der Bühne freuen sich die Mopeds auf herausragende Gäste: Fabian Eder, Eva Glawischnig, Sibylle Hamann, Florian Klenk, Susanne Scholl, Katharina Stemberger, Matthias Strolz, Mirjam Unger, sowie Gerald Fleischhacker & Guido Tartarotti. Der Reinerlös geht zur Gänze an die “Zweite Gruft” der Caritas Wien.

Aschermittwoch, 10. Februar 2016
Kulisse, Rosensteingasse 39, 1170 Wien
Beginn: 20:00 Uhr

KARTEN BESTELLEN

Besuchen Sie die GEBRÜDER MOPED Webseite!

 

Gedanken – Ö1

Katharina Stemberger und Fabian Eder machen sich „GEDANKEN“.

Eine Radiosendung von Ursula Burkert. Zu hören am 25.12.2015 um 14:05 auf Ö1.

Ö1 Livestream

Link zur Sendung

Miteinander

Gedanken

Freitag
25. Dezember 2015
14:05

Wohin und nicht zurück – die Schauspielerin Katharina Stemberger und der Filmemacher Fabian Eder über Herbergssuche anno 2015.
Gestaltung: Ursula Burkert

Die Nachricht vom Tod von 366 Menschen, deren Flucht nach Europa vor der Küste der Insel Lampedusa am 3. Oktober 2013 ein schreckliches Ende nahm, gingen der Schauspielerin und Filmproduzentin Katharina Stemberger und dem Regisseur und Kameramann Fabian Eder nicht mehr aus dem Kopf. Das Versagen Europas in Bezug auf die Flüchtlingspolitik bewog die beiden, den Dokumentar-Film „Keine Insel“ zu produzieren. Zwei Monate nach der Katastrophe machte sich Fabian Eder mit seinem Filmteam auf dem Segelboot „Europa“ auf den Weg ins südliche Mittelmeer, um herauszufinden, wie die Europäische Union mit den ungelösten Fragen von Asyl und Zuwanderung umgeht. Es entstand ein filmischer Essay über die Inseln Malta, Lampedusa und Sizilien, an denen sich das Dilemma der Europäischen Zuwanderungs- und Asylpolitik spiegelt.

Erst kürzlich war der neueste Film von Katharina Stemberger und Fabian Eder „Wohin und nicht zurück – 20 Jahre Integrationshaus Wien“ zu sehen. In dieser Dokumentation geht es um Integration in Österreich und es wird versucht, ihr Gelingen und ihre Schwierigkeiten aufzuzeigen. Das Integrationshaus Wien, das vor 20 Jahren gegründet und in diesem Film auch porträtiert wurde, ist ein auf nationaler wie internationaler Ebene anerkanntes Kompetenzzentrum für die Aufnahme und Integration von Asylsuchenden, Flüchtlingen und Migrant/innen. Das Integrationshaus bietet Schutz, Sicherheit und hilft eine Zukunftsperspektive zu finden. Herbergssuche am Beginn des 21.Jahrhunderts.

TV Erstausstrahlung „Wohin und nicht zurück“ ORF III

Endlich ist es soweit, unser TV-Film „Wohin und nicht zurück“ wird auf ORF III am 21. September um 20:15 Uhr erstmals ausgestrahlt. Der Themenmontag setzt sich mit „Integration“ auseinander – zum richtigen Zeitpunkt – stehen in Wien Anfang Oktber die Wahlen an, ein weiterer Blickwinkel auf das hitzig diskutierte Thema schadet sicherlich nicht.

Mit dem filmischen Essay wird aus der Perspektive junger Menschen, die in Österreich Schutz suchen, ein Blick auf unsere Gesellschaft geworfen.

Während die Staats- & Regierungschefs noch nach Lösungen für die Flüchtlingskrise suchen, ist der beispielhaft hilfsbereiten Bevölkerung längst klar: Die Menschen, die nach Europa fliehen, gehen wohin und nicht zurück.

Muss uns das Angst machen, wie manche krakeelen?

Wer Lösungen sucht, muss nicht in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah: Das INTEGRATIONSHAUS in Wien feiert sein zwanzigjähriges Bestehen – es ist ein Role Model für aktiv gestaltete Integrationsarbeit. Wenn man will.

Mitbegründer und Aushängeschild Willi Resetarits spricht über 20 Jahre Erfahrung und mit ihm berühren wir Themen wie: Was bedeutet aber „Integration“ eigentlich? Wie funktioniert sie? Welche Ängste hat die Bevölkerung?

Dazu sprechen wir mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, Bewohnern, Betreuern, Gründern des Integrationshauses und vielen mehr in einem Film, der den oberflächlich benutzen Begriff „Integration“ in unsere Realität holt und zeigt: Wir können das. Wenn wir wollen.

Mit: Willi Resetarits, Hanin Mahmud, Rajinder Singh, Elisabeth Orth, Alfred Dorfer, Peter Resetarits, Julya Rabinowich und vielen anderen.

Stemberger/Eder produzierten bereits vor einem Jahr den Film „Keine Insel“ anlässlich der Katastrophe vom 3. Oktober 2013 vor Lampedusa zum Thema europäische Flüchtlingspolitik.

Regie: Fabian Eder
Kamera: Astrid Heubrandtner-Verschuur

Musik: Stefan Sterzinger & Franz Schaden

Produzenten: Katharina Stemberger & Fabian Eder
BACKYARD
Österreich, 50 Minuten, Farbe.

Finanziert mit Unterstützung durch Kulturforum Freiwerk, Verein Stadtimpuls, MA 17 Diversität & Integration, VAM, Zukunftsfonds Austria, Rotary Club Perchtoldsdorf

Erstausstrahlung:
21. September 2015
ORF III 20:15 Uhr

 

Wohin und nicht zurück – Das Konzert

Konzert

Das Konzert mit Willi Restarits & Stubnblues, Insingizi und Katharina Stemberger in Frankenburg /OÖ am 24. Juli widmete sich der Toleranz und Menschlichkeit in Zeiten wie diesen, in denen auf Flüchtlinge geschossen wird und Asylheime in Brand gesteckt werden, in denen in einem der reichsten Länder der Welt in Erstausfnahmezentren Babys am Steinboden oder im Freien schlafen, weil PolitikerInnen einfach nicht in der Lage sind, ihre Aufgabe zu erfüllen.

Wenn ein Sprichwort sagt „Ein Engel geht durch den Raum“, dann waren es eine ganze  Engelschar, welche die Freilichtbühne in Frankenburg / OÖ besuchte – und die Zuschauer liebten es – zahlreiche Zugaben, viele Ohrwürmer, und jede Menge gute Energie versprühte die Stubnblues Band und Willi Resetarits, der seine selbstverordnete einjährige Bühnenpause aus dem oben beschriebenen akuten Anlass unterbrach.

Die drei acapella Stimmen von Insingizi brachten in ihrem halbstündigen Gastauftritt vor der Pause die Stimmung endgültig zum Überkochen.

Katharina Stemberger begrüßte das Publikum und wies auf den akuten Anlass des Konzertes hin. Später rezitierte sie den Text „Was geschieht“ von Erich Fried und den Text von Imagine von John Lennon in einer Übersetzung von Fabian Eder.

Im großen Finale sangen alle Protagonisten gemeinsam. Szenenapplaus bekam die Textzeile „Und war‘ I a Ministerin, I hearat auf zum liagn…“

Wir sind nicht allein.

Film

Unter der Regie von Fabian Eder drehten mehrere Kamerateams das Konzert mit. Astrid Heubrandtner, Judith Stehlik, Sandro Decleva, Valentin Wanke u.v.m. Technische Unterstützung für das Filmteam gab es von der Firma Dopplinger, Cosmos Factory & Arri Austria.

Alenka Maly und Roland Freinschlag drehten für uns Interviews rund um das Konzert, unter anderem mit Anna Mitgutsch und Josef Haderer, sowie vielen Einheimischen und einigen Flüchtlingen aus dem Irak und Syrien, die eine Zeit lang in Frankenburg zu Gast waren.

Die Doku

Auch Amadou, der auch in unserer TV Doku „Wohin und nicht zurück“ über Asyl und Integration, welche am 5. Oktober ausgestrahlt werden soll, war mit einem Freund und Niki Heinelt vom Integrationshaus Wien beim Konzert, und war richtig angetan. Willi Resetarits hat ihn mitgerissen und bei Insingizi strahlten seine Augen!

Dank an Daniela Matejschek photo-graphic-art.at für die tollen Fotos. 

Katharina Stemberger und Fabian Eder zu den Produktionen

„Wir alle haben Verantwortung“Verhetzende Schlagzeilen, unprofessionelle Politik: Katharina Stemberger und Fabian Eder reicht es. Ihr Projekt soll Flüchtlinge und ihre Schicksale aus der Anonymität holen. 

2700 Flüchtlinge wurden am Mittwoch aus dem Mittelmeer gerettet – 2700 von 150.000, die seit Jahresbeginn über den Seeweg nach Europa gekommen sind. 1000 Menschen flüchten täglich über Serbien nach Ungarn. Die dramatischen Schicksale hinter den Zahlen wollen Katharina Stemberger (46) und Fabian Eder (52) sichtbar machen. Das Künstler-Ehepaar hat ein dreiteiliges Integrationsprojekt aufgestellt: Kurzfilme, die im Sommer am Wiener Rathausplatz gezeigt werden, ein Konzert mit Willi Resetarits (siehe Info unten) sowie eine Doku, die eine Woche vor der Wien-Wahl auf ORF III laufen wird. Im Interview erklären sie, warum sie nicht länger schweigen können – und was sie so wütend macht.

KURIER: Wie ist Ihr Projekt entstanden?

Stemberger: Man hat uns gefragt, ob wir einen Geburtstagsfilm für das Integrationshaus drehen wollen. Etwa zur selben Zeit hat sich die Flüchtlingssituation in Österreich dramatisch verschlimmert. In diesem Vakuum konnten sich Kräfte breit machen, die auf sehr populistische Art und Weise Angst schüren. Die Österreicher haben schon x-mal bewiesen, dass sie helfen – aber wenn man ihnen nur Angst macht, werden sie verunsichert. Und das ist passiert.

Was entsetzt Sie an der aktuellen Debatte am meisten?

Stemberger: Ob es politisches Kalkül, Unfähigkeit oder fehlender Mut ist – das unprofessionelle innenpolitische Hickhack findet auf dem Rücken von Menschen statt, die sich nicht wehren können. NGOs haben diese Situation seit Jahren vorausgesagt. Mir kommt das so vor, als würde ich zu einer Theaterpremiere gehen und meinen Text nicht können. Der Regisseur würde mich sofort hinausschmeißen. Mit Recht!

Eder: Wobei ich mir nicht sicher bin, ob es wirklich Unprofessionalität ist und nicht Absicht. Seit der Syrien-Konflikt im Gange ist, ist klar: Die kommen. Da kann man sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Wenn ich sehe, wie die Zustände in den bulgarischen Aufnahmezentren sind, kommt mir das Kotzen. Wir diskutieren über unglaubliche Wirtschaftsthemen und haben nicht das Kleingeld, da etwas Ordentliches auf die Beine zu stellen.

Kennen Sie das Gefühl, sich fremd zu fühlen?

Stemberger: Ja, sehr gut – sogar im eigenen Land. Wenn ich sehe, wie die Leute Gratiszeitungen mit verhetzenden Schlagzeilen lesen, fühle ich mich sehr fremd. Vergangenes Jahr hat der Wiener Bürgermeister spontan für mehr als 600 Flüchtlinge Quartiere zur Verfügung gestellt. Am nächsten Tag sitze ich in der U-Bahn und lese: Flüchtlinge überrennen Wien. Wenn man solche Headlines zehn Mal bringt, darf man sich nicht wundern, dass die Bevölkerung Angst bekommt und sich bedroht fühlt.

Wie kann man den Menschen diese Angst nehmen?

Stemberger: Ich glaube, dass es bei diesem aufgeheizten Thema wahnsinnig wichtig ist, Begegnung zu ermöglichen, einander voneinander zu erzählen. Man kann nur vor etwas Angst haben, das man nicht kennt. Deswegen werden wir beim Konzert auch Flüchtlinge auf die Bühne holen und sie sprechen lassen. Ich möchte diese Menschen mit ihren Schicksalen sichtbar machen – und zwar ohne Betroffenheit. Betroffenheit lähmt, sie ist eine Sackgasse.

Sie haben bereits eine Dokumentation über Lampedusa gemacht. Spüren Sie als Künstler eine soziale Verantwortung?

Stemberger: Die Menschen tun immer so, als ob wir uns das aussuchen könnten. Wir alle haben Verantwortung, ob es uns recht ist oder nicht. Ich habe das unverdiente Glück, in diesem Land geboren zu sein, und daraus wächst mir per se eine Verantwortung. Viele sagen mir immer: Aber was soll ich tun? Jeder Mensch kann, wenn er oder sie will, die Augen öffnen, um in seinem Umfeld nach seinen Möglichkeiten etwas zu verändern. Was mich viel mehr schreckt als die Kanalratten, die jetzt immer lauter werden, ist die große Menge der Menschen, die schweigt. Die in ihren wohlsituierten Lebensblasen leben und denken, dass sie das alles nichts angeht.

Was kann Kunst beitragen?

Eder: Man kann sensibilisieren. Unser Film ist eine Möglichkeit, diesen Menschen ein Gesicht zu geben und sie aus der Anonymität herauszuführen. Wir versuchen, den Konnex zwischen Asyl und Integration herzustellen. Unser Asyl-Begriff ist veraltet: Wir glauben, da kommt jemand, bleibt drei Monate und fährt dann wieder heim. Meist ist das aber nicht so. Also muss man sich fragen, wie man damit umgeht. Ist es tatsächlich eine Bedrohung oder eine enorme Chance?

Wie kann Integration funktionieren?

Eder: Natürlich ist die Sprache wichtig, das wissen wir. Zuerst muss man sich aber klar sein, dass Flüchtlinge Traumatisches erlebt haben. Man muss sie psychologisch betreuen, dann funktioniert auch die Kommunikation besser. Ich glaube, das hat man bei den Flüchtlingen, die in den 1990er-Jahren vom Balkan gekommen sind, sträflich vernachlässigt.

Stemberger: Wenn man sich nur ein Zehntel dessen vorstellt, was diese Leute erlebt haben, reicht das schon. Sie haben alles verloren, kommen in unser Land, wo sie die Sprache nicht können, und dann werden sie wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Dabei haben sie Fähigkeiten, Talente und einen Bildungsgrad, von dem wir oft nichts wissen – da bleibt viel Potenzial für unser Land brach liegen, weil wir nicht fragen: Was kannst du eigentlich?

Wie haben Sie die Begegnungen mit Flüchtlingen erlebt?

Stemberger: Diese Menschen sind so wahnsinnig dankbar, dass ihnen keine Bomben auf den Schädel fallen, dass sie mit ihren Kindern zum Arzt gehen können. Jede zweite Frage von ihnen ist: Wie kann ich etwas zurückgeben? Und dazu gehört auch, dass man sie arbeiten lässt.

In den Kurzfilmen fragen Sie Flüchtlinge, was für sie Heimat ist. Was würden Sie antworten?

Stemberger: Heimat ist ein Ort, wo ich mich sicher fühle – so sicher, dass ich laut schimpfe, wenn mir etwas nicht gefällt. Gott sei Dank lebe ich in einem Land, wo ich das Recht habe, meine Stimme zu erheben, ohne dafür eingesperrt zu werden.

Eder: Ich habe mir diese Frage immer wieder gestellt. Schlussendlich finde ich die Definition von Giusi Nicolini (Bürgermeisterin von Lampedusa, Anm.) am schönsten, die sagt: Heimat ist der Ort, wo ich aufgewachsen bin, den ich jederzeit verlassen, an den ich aber immer zurückkehren kann.


ZUR PERSON

Katharina Stemberger

Die Tochter der Schauspielerin Christa Schwertsik und des Tropenmediziners Heinrich Stemberger studierte Cello und absolvierte Schauspielausbildungen in Wien und Los Angeles. Ihre Schwester ist die Schauspielerin Julia Stemberger. Im Sommer ist sie als Schuldknechts Weib im Jedermann in Salzburg zu sehen.

Fabian Eder

Nach seinem Studium an der Filmakademie arbeitete der Sohn von Bibiana Zeller und Otto Anton Eder als Kameramann, später als Regisseur (z. B. bei „Tatort“-Folgen). Stemberger und Eder sind seit 1997 ein Paar und seit 2002 verheiratet. Sie haben eine 14-jährige Tochter.


KONZERT

Musizieren für Vielfalt und Toleranz

Willi Resetarits singt auf dem Frankenberger Würfelspielgelände.

Eigentlich wollte Willi Resetarits alias Ostbahn Kurti heuer keine Konzerte geben. Die negative Berichterstattung über die Asylproblematik veranlasste ihn aber dazu, seine Auszeit zu unterbrechen und am Freitag, 24. Juli, ein besonderes Konzert zu spielen: Auf einer der größten Freiluftbühnen Österreichs, dem Frankenburger Würfelspielgelände in Oberösterreich, wird er vor mehr als 2000 Zusehern gemeinsam mit dem „Stubnblues“ und Katharina Stemberger musizieren. Die Einnahmen gehen an das Projekt von Stemberger und Fabian Eder. Der Schauplatz erinnert an das Schicksal der Menschen während des Dreißigjährigen Kriegs, die ihre Heimat verlassen mussten. Während des dreistündigen Konzerts werden auch Flüchtlinge zu Wort kommen. „Wir müssen endlich aufhören, über sie zu sprechen, und sie selber sprechen lassen“, sagt Stemberger. Regisseur Eder wird das Konzert filmisch dokumentieren.

INFO: www.frankenburger-kultursommer.atwww.williresetarits.at. Tickets (26 €, für Schüler & Studenten 23 €) bei Ö-Ticket und in allen Raiffeisen-Filialen.

(KURIER)  ERSTELLT AM 17.07.2015, 05:46

DAS MÄDCHEN MIT DER GRÜNEN HOSE

von Fabian Eder für die „GUTE ZEITUNG“ des Integrationshauses in Wien.

Die Gräber am Friedhof der Insel Lampedusa sind die von Fischern, mitten unter ihnen die letzte Ruhestätte des „Unbekannten Einwanderers“, datiert mit dem 29. September 2000. Die Tore der FESTUNG EUROPA sind fest verschlossen, und tagtäglich ertrinken Menschen im Mittelmeer. 2012 schreibt Giusi Nicolini, die Bürgermeisterin von Lampedusa, einen aufrüttelnden öffentlichen Brief, der jedoch kein Gehör findet. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich auf der Insel bereits ein riesiger Schiffsfriedhof. Als am 3. Oktober 2013 dann 366 Menschen zu einem medial günstigen Moment wenige Meter vor der kleinen Insel sterben, folgt ein Aufschrei. Der Papst, EU-Kommissionspräsident Barroso und EU-Parlamentspräsident Schulz reisen nach Lampedusa und versprechen den Menschen: „Nie wieder!“
Italien rettet mit der Operation„Mare Nostrum“ über 170.000 Menschen. Rund 4000 finden trotzdem den Tod. Nach einem Jahr endet diese Mission und täglich steigt erneut die Zahl der Opfer. Allein zwischen dem 16. und 18. April 2015 ertrinken 1700 Menschen, unter ihnen das Mädchen mit der grünen Hose.
Erst durch massiven öffentlichen Druck lassen sich EU-Kommission und EU-Regierungschefs dazu herab, geeignete Schiffe in die Region zu schicken. Die dafür eilig einberufenen Gipfeltreffen beginnen mit inszenierten Schweigeminuten. Jeder der Schweigenden wusste seit Langem, dass diese Unglücke passieren würden.
Europas Politik ruft den Kampf gegen kriminelle Schlepper aus. Alle Boote sollen versenkt werden. Als die Menschen über die deutsch-deutsche Grenze flohen, nannte man die Schlepper Fluchthelfer. Oskar Schindler oder Hugh O’Flaherty wären nach modernen europäischen Standards Schwerkriminelle.
Im offiziellen Wording der EU-Kommission vor, zu und nach dieser Katastrophe werden die Worte „Flucht“ oder „Flüchtling“ stets vermieden, stattdessen ist von „Irregulären“, „Illegalen“ und „Migranten“ die Rede. Diese Sprachregelung ist per se sowohl eine Ausgrenzung als auch eine Herabwürdigung, welche an die Formulierung „unwertes Leben“ erinnert.
Dass Flüchtlingen keine Möglichkeit gegeben wird, Europa auf sicherem und legalem Weg zu erreichen, um Asyl zu beantragen, schafft nicht nur die Existenzgrundlage der Schlepper, es stellt auch ein Auswahlverfahren dar, das als Sozialdarwinismus bezeichnet werden muss: Nur die Stärksten, Gesündesten, Schnellsten und Reichsten dürfen durchkommen. Der Glaube vor 70 Jahren von diesen Ideen befreit worden zu sein, erweist sich als Irrtum. Europa verdrängt, dass sein Fundament auf der Asche von Auschwitz gebaut worden ist. Ein tödlicher Fehler.
Vor mir liegt das Bild des kleinen Mädchens, das in einem rosa Kleid im Wasser treibt, darunter eine grüne Hose, keine Schuhe und mit dem Kopf nach unten. Aufgenommen am 18. April diesen Jahres. Der Wunsch, ihr Leben leben zu dürfen, wurde ihr verwehrt: Sie war nicht gut genug.

München, Mai 2015

 

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Die Porta d’Europa, das Tor nach Europa, Mahnmal auf der Insel Lampedusa. 

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Gute Zeitung

Schleppen, Schleusen, Helfen.

Symposium

Die Österreichische Gesellschaft für Exilforschung veranstaltet vom 13.-15.10. 2014 ein Symposium unter dem Titel:

„Schleppen“, schleusen, helfen. Flucht zwischen Rettung und Ausbeutung

Auf dieser Veranstaltung wird unser Film KEINE INSEL als Grundlage für eine Anschließende Diskussion über die aktuelle europäische Flüchtlingspolitik vorgeführt.

Das Symposium wird von der ÖGE und Kooperationspartnern veranstaltet.

m Kontext der Fluchtbewegungen der Jahre 1933 – 1945 fanden illegale Grenzübertritte wesentlich häufiger statt als allgemein bekannt, und sie erwiesen sich vielfach als lebensrettend. Dennoch wurden die Helferinnen und Helfer oft in undifferenzierter Weise kriminalisiert, obwohl nur ein Teil von ihnen primär aus finanziellem Interesse bzw. in ausbeuterischer Absicht handelte. Auch in den Nachkriegsjahrzehnten war Fluchthilfe von großer Bedeutung. Heute ist das Thema angesichts der immer rigoroseren Abwehrmaßnahmen, mit denen die „Festung Europa“ gesichert werden soll, brisanter denn je.
Das Symposium wird sich mit den unterschiedlichen Formen, Phasen und Motiven der organisierten und individuellen Fluchthilfe / „Schlepperei“ seit den 1930er Jahren befassen und auch die restriktive Aufnahmepolitik der potentiellen Zufluchtsländer als wesentliche Ursache für das Phänomen ins Blickfeld rücken.Eine Kooperation der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung (öge) mit: Afro-Asiatisches Institut Wien, Akademie der bildenden Künste Wien, asylkoordination Österreich, borderline europe – Menschenrechte ohne Grenzen e.V. Berlin, Centrum für Jüdische Studien / Karl-Franzens-Universität Graz, CLIO Verein für Geschichts- und Bildungsarbeit (Graz), Forschungsgruppe [KriMi] Kritische Migrationsforschung, Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien, Institut für Soziologie der Universität Wien, Institut für Staatswissenschaft der Universität Wien, Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck, Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, Montafoner Museen, Paul Grüninger Stiftung (St. Gallen / Schweiz)

Veranstaltungsort: Wien
Institut/Raum/Saal: Gartenbaukino, Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien / Prospekthof
Strasse: Parkring 12, 1010 Wien / Lehárgasse 6, 1060 Wien
Postleitzahl:
Ort: Wien
Land: Österreich
Webseite:
Anmeldepflichtig: Nein
Kostenpflichtig: Nein
Förderer/Sponsor: Nationalfonds, Zukunftsfonds, MA 7 / Wien Kultur, Land Niederösterreich, Land Vorarlberg
Kontakt: Simon Usaty
0699/109 33 411
s.usaty@exilforschung.ac.at

 

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